Qualitätsmanagement: Aufbau und Struktur in der Klinik

1.1 Systemaufbau

Jede Qualitätssicherung muß zweckdienlich und selbst organisiert werden, damit die individuellen, an der Qualität der Dienstleistung beteiligten Faktoren (Mensch, Technik und Administration) in adäquater Weise miteinbezogen werden können.

Um optimal wirksam sein zu können, muß das angewandte Qualitätssicherungssystem an der Art der Tätigkeit und an die Produkte bzw. Dienstleistungen angepaßt werden. Die hierfür erforderlichen Aufwendungen sind unter Betrachtung potentieller Unternehmensverluste als Folge unzulänglicher Dienstleistungen bzw. Produkte abzuwägen.

Direkte Verluste können durch Ersatzansprüche und durch den unproduktiven Einsatz von menschlichen und technischen Ressourcen entstehen. Indirekt ergeben sich finanzielle Verluste durch Einbuße von Vertrauen oder Ansehen und über hieraus ableitbaren Marktverlusten.

1.2 Managementmodelle

Ein Qualitätssicherungssystem ist nach DIN 55350, Teil 11 die festgelegte Ablauf- und Aufbauorganisation zur Durchführung der Qualitätssicherung sowie die hierfür erforderlichen Mittel.

Die Sicherung der qualitätsbeeinflussenden Elemente ist eine interdisziplinäre Aufgabe, die ihrerseits einer koordinativen Stelle zu unterstehen hat. Hierfür ist die Schaffung einer spezifischen Unternehmensfunktion unabdingbar, welche zumeist als "Fachbereich Qualitätswesen", "Abteilung Qualitätssicherung" oder "Zentrales Qualitätswesen" bezeichnet wird.

Dieses "Zentrale Qualitätswesen" berührt in seiner Tätigkeit sämtliche Arbeitsbereiche des Unternehmens und überwacht als Treuhänder der Unternehmensleitung die fortlaufende Realisierung aller qualitätsbezogenen Aktivitäten. Hieraus ergibt sich gemäß den DIN-Normen zur Qualitätssicherung die Forderung, den Fachbereich Qualitätswesen der Unternehmensleitung direkt zu unterstellen.

Die Organisation des Fachbereichs muß sich den Gegebenheiten des Unternehmens in Bezug auf Größe, Anzahl der gebotenen Dienstleistungen, Anzahl der Abteilungen, hierarchischer oder paritätischer Grundstrukturen usw. anpassen

Die DIN 55350 empfiehlt daher für ein mittleres Unternehmen, welches bereits über eine funktionelle Arbeitsteilung verfügt, die Einrichtung eines eigenständigen Fachbereiches Qualitätswesen.

Die Eingliederung des Fachbereiches in die Aufbauorganisation eines mittleren Unternehmens zeigt die folgende DIN-konforme Gliederung nach Gaster:

 

 

Unternehmensleitung

 

 

 

 

 

 

 

 

Qualitätssicherung

 

 

 

 

 

 

 

Bereich Kaufm. Verw.

 

Bereich Entwicklung

 

Bereich Technik

 

Bereich Vertrieb

 

 

 

 

 

 

 

Finanzen

 

Konstruktion

 

Fertigungssteuerung

 

Erstausrüstung

 

 

 

 

 

 

 

Materialwirtschaft

 

Labor

 

Produktion

 

Ersatzteilsektor

 

 

 

 

 

 

 

Betriebswirtschaft

 

...

 

Hilfsbetriebe

 

Abwicklung

 

 

 

 

 

 

 

Personal

 

...

 

...

 

...

 

Für ein kleineres oder mittleres Unternehmen mag eine Organisation der obigen Struktur genügen, einem größeren oder großen Betrieb wird dagegen nur eine zentrale Organisation des Fachbereiches Qualitätswesen gerecht.

Die Eingliederung des Fachbereiches Qualitätswesen in die Aufbauorganisation eines mittleren Unternehmens bzw. Großunternehmens könnte DIN-konform wie folgt aussehen:

 

 

 

Unternehmensleitung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Direktion Technik

 

Direktion Marketing

 

Direktion Qualitätswesen

 

Direktion Finanzen

 

Direktion Administration

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Forschung

 

Strategisches Marketing

 

Qualitätstechnik

 

Rechnungswesen

 

Personal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Produktion

 

Vertrieb

 

Qualitätsprüfung

 

Finanzbuchhaltung

 

Organisation

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Material-wirtschaft

 

Service

 

Qualitäts-förderung

 

Investitions-planung

 

Allgemeine Dienste

 

 

 

 

 

 

 

 

 

...

 

...

 

Qualitätsrevision

 

...

 

...

 

 

Die Eingliederung des Fachbereiches Qualitätswesen in die Aufbauorganisation eines Großunternehmens mit produktorientierter Gliederung sieht ähnlich aus:

 

 

Unternehmensleitung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zentrale Technische Dienste

 

Zentrale Administrative Dienste

 

Produktgruppe I

 

Produktgruppe II

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Qualitätswesen

 

Finanz-/ Rechnungswesen

 

Marketing

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Qualitätstechnik

 

Allgemeine Dienste

 

Fertigung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Qualitätsförderung

 

Personal

 

Materialwirtschaft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Qualitätsrevision

 

Organisation

 

Qualitätsprüfung

 

Qualitätsprüfung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Forschung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Materialwirtschaft

 

 

 

 

 

 

1.3 Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen

1989 trat der "Sachverständigenrat für die Konzentrierte Aktion im Gesundheitswesen" zusammen, dessen Ziel die Ausformulierung von Rahmenbedingungen und Empfehlungen zu Qualitätsmanagement und Qualitätssicherungsmaßnahmen war.

Die erarbeiteten Empfehlungen zur Struktur eines Qualitätsmanagements für den stationären Bereich können wie folgt zusammengefaßt werden:

  1. Für die durch externe Kontrollen und Richtlinien nicht zu lösende Fragen der Qualität sind in den Krankenhäusern Qualitätssicherungsmechanismen zu etablieren.
  2. In allen Krankenhäusern, und dort in allen Abteilungen, sollten Beauftragte für die Qualitätssicherung ernannt werden.
  3. Qualitätssicherungsausschüsse, nach Möglichkeit interdisziplinär besetzt und unter ärztlicher Führung, sollten in den einzelnen Abteilungen eingerichtet werden.
  4. Die Methoden und die Durchführung der Qualitätssicherung sind in ihrer Ausführung und Anwendung den Kliniken freigestellt.

Abgesehen von der Tatsache, daß ein Qualitätsmangement eingeführt werden soll, werden an strukturellen Elementen also nur erwähnt:

  1. Leitender Qualitätssicherungsbeauftragter des Krankenhauses
  2. Qualitätssicherungsausschüsse der Abteilungen
  3. Qualitätssicherungsbeauftragte der Abteilungen.

Anhand der ebenfalls vom Sachverständigenrat verabschiedeten Empfehlungen zu den primären Arbeitszielen und Themen eines Qualitätsmanagementsystems wird jedoch offenkundig, daß weitere Strukturen und Instanzen für ein Qualitätsmanagement berücksichtigt werden müssen, da beispielsweise Entscheidungen zu Standards und Rahmenempfehlungen oder auch die Einbeziehung des Pflegedienstes und der Hotelleistungen nur auf einer breiten Konsensbasis verabschiedet werden können.

Die Empfehlungen des Sachverständigenrates lauten:

  1. Aufgabe des Qualitätssicherungssystems ist die regelmäßige Überwachung der Versorgung in all ihren Dimensionen.
  2. Richtlinien, Standards und Rahmenempfehlungen sind von der Selbstverwaltung im Sinne des § 112 SGB V zu erarbeiten.
  3. Bereiche, die im besonderen Maße einer Qualitätssicherung unterliegen sollten, sind:
    · Diagnostik
    · Therapie
    · Pflege
    · Hotelleistungen
    · Arzneimittelverordnung
    · Beschaffung
    · Dokumentation
    · Kommunikation
    · Interkollegiale Zusammenarbeit
    · Information von Patienten
    · Ergebnisse der Behandlung
    · Zufriedenheit der Patienten
  4. Regelmäßige Kontrollen sind durchzuführen zu den Themen:
    · Einweisungs-, Verlegungs- und Entlassungsverfahren
    · Qualität der Führung der Krankengeschichten einschließlich der Arztbriefe
    und der internen Kommunikation
    · Verbrauch an Arzneimitteln, insbesondere von Antibiotika, Blutkonserven und anderen Blutprodukten
    · Anforderungen zentral erbrachter Leistungen (Labor, bildgebende Verfahren)
    · Indikation invasiver und kostenträchtiger diagnostischer und therapeutischer Verfahren
    · Wundinfektion nach Operation
    · Unerwartete Ergebnisse (Tod, Komplikation)

Basierend auf diesen Empfehlungen in Verbindung mit den Normen und Maßnahmen gemäß DIN 55350 und DIN 9004, Teil 2 läßt sich die Verteilung von Kompetenzen, Aufgaben und Verantwortungen eines Qualitätsmanagements im Krankenhaus wie folgt abbilden:

Unternehmenseinheit

bestimmt

verantwortet

 

 

Krankenhausleitung

 

QS-Politik

QS-Strategie

Systemmittel

Verbreitung

Realisierung

Aufrechterhaltung

Eignung

Verwendung

Leistung

Zuverlässigkeit

 

 

Lenkungsausschuß

 

QS-Niveau

Etat

Qualitätszirkel

QS-Personal

QS-Förderung

Berichterstattung

Kostenziele

Externe Kommunikation

Methodenvorgabe

 

Qualitätsmanager

QS-Abnahme

QS-Mitteleinsatz

QS-Design

Interne Fortbildung

Interne Kommunikation

Externe Kontakte

Ressourcenzuteilung

Projektbetreuung

Modellprüfung

 

Qualitätszirkel

Projekte

Methoden

Leitlinien

Entwicklung

Umsetzung

Schulungen

Kommunikation

Dokumentation

Feedback

1.4 Umsetzung im Krankenhaus

Entsprechend den vorangegangenen Empfehlungen erfordert die Abbildung der dort beschriebenen Strukturen auf die Gegebenheiten eines Großklinikums die Realisierung der Qualitätselemente:

  1. Qualitätsleitung
  2. Qualitätssicherungskommission
  3. Qualitätsplanungsausschuß
  4. Fachbereich Zentrales Qualitätswesen
  5. Fachausschüsse der Abteilungen.

Diesen Strukturelementen sind an funktionellen Komponenten gegenüberzustellen:

Die Systemverantwortung unterliegt dem Direktorium des Klinikums. Diesem wird empfohlen, zur Entscheidungsunterstüzung folgende Institutionen einzuberufen:

  1. Planungsausschuß Qualitätsmanagement
  2. Qualitätssicherungskommission
  3. Fachbereich Zentrales Qualitätswesen
  4. Hauptberuflichen Qualitätscontroler (Koordinator).

Das Direktorium sollte ferner die Bildung von lokalen Qualitätssicherungsausschüssen in den einzelnen Abteilungen (Qualitätszirkel) unterstützen.

Für die Planung des Qualitätsmanagements empfiehlt sich die Einberufung einer Direktoren- bzw. Chefarzt-Konferenz, die zur Bildung eines Qualitätsplanungsausschusses führen sollte. Dieser bezieht Position zu Fragen der Qualitätspolitik des Krankenhauses und legt die Grundzüge des erforderlichen Ausbaus und der Organisationstiefe des Qualitätsmanagements fest. Der Qualitätsplanungsausschuß verabschiedet Grundsatzbestimmungen, Richtlinien und bestimmt den Kostenrahmen des Qualitätsmanagements. Bei diesen Aktivitäten wird der Qualitätsplanungsausschuß durch die Qualitätssicherungskommission aktiv unterstützt.

Die Qualitätssicherungskommisssion wird analog zu ähnlichen Gremien (z.B. Datenschutz oder Hygiene) aus Fachvertretern der involvierten Bereiche gebildet. Sie ist nach Möglichkeit interdisziplinär zu besetzen. Ihr gehören Vertreter der Ärzteschaft, der Pflege, der medizinisch-technischen Dienste und der Verwaltung an. Die Qualitätssicherungskommission legt die Prioritäten fest, mit denen in den einzelnen Bereichen mit Qualitätssicherungsmaßnahmen begonnen werden soll. Sie arbeitet Richtlinien, Bestimmungen und Standards aus.

Eine Fachabteilung "Zentrales Qualitätswesen" ist einzurichten und dem Direktorium direkt zu unterstellen. Der Leiter des Zentralen Qualitätswesens nimmt die Aufgabe eines Qualitätscontrolers wahr. Der Abteilung Zentrales Qualitätswesen unterstehen folgende Aufgabenbereiche:

  1. Leitung und Überwachung der Qualitätssicherungsmaßnahmen
  2. Qualitätstechnik, -revision und -prüfplanung
  3. Qualitätsförderung und Schulung

In jeder Abteilung wird zumindest ein Fachausschuß Qualitätssicherung gebildet. Dies kann gegebenenfalls auch in Form eines Qualitätszirkels geschehen. Die Qualitätsausschüsse sind zuständig für die Ein- und Durchführung des Qualitätssicherungsmaßnahmen vor Ort und für die Entwicklung neuer Projekte unter Inanspruchnahme des Zentralen Qualitätswesens; sie nehmen Anregungen zu Verbesserungen auf und wahren die Aufgabe, diese an die oben genannten Instanzen weiterzugeben.

Wird auf vorhandene Strukturen zurückgegriffen, so kann die Qualitätsleitung durch das Direktorium des Klinikums erfolgen, die Aufgaben des Qualitätsplanungsausschusses und der Qualitätssicherungskommission könnte dagegen durch eine ehrenamtliche Tätigkeit der Leitungen (Kliniken, Institute, Pflege, Verwaltung, Technischer Dienst) wahrgenommen werden. Ohne zusätzliche Mittelbereitstellung und Schaffung neuer Personalstellen sind dagegen die Strukturelemente "Zentrales Qualitätswesen" und "Qualitätszirkel" nicht realisierbar. Hierbei ist besonders der Einrichtung eines zentralen Qualitätswesens, welches künftig die Hauptaufgaben der Qualitätssicherung wahrnehmen soll, eine hohe Priorität einzuräumen. Bestimmend für die Organisationstiefe dieser Stabsstelle sind im wesentlichen die Tätigkeitsmerkmale und Aufgabengebiete.

Da es sich generell empfiehlt, den Bereich Qualitätsförderung dem Fachbereich Qualitätswesen direkt anzugliedern, ergibt sich folgende Aufgliederung:

 

 

Direktorium

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fachbereich Qualitätswesen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Qualitätstechnik

 

Qualitätsprüfung

 

Qualitätsrevision

 

Qualitätsförderung

Aufgaben:

 

Aufgaben

 

Aufgaben

 

Aufgaben

ê

 

ê

 

ê

 

ê

Q-Prüfplanung

Q-Information

 

Q-Überwachung

Projektentwicklung

 

Q-Überprüfung

Anleitung vor Ort

 

Schulung

Motivation

Beratung

Idealerweise sind die Stabsstellen mit fünf leitenden Mitarbeitern zu besetzen, deren Tätigkeits- und Ausbildungsprofile in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Qualität solchermaßen definiert werden könnten:

  1. Leiter Qualitätswesen
  2. Dieser ist zuständig für die Einführung von Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung. Da hierzu alle Mitarbeiter des Unternehmens gehören, ist das Aufgabengebiet entsprechend weitgefaßt. Dies bedeutet eine weitreichende Qualifizierung nicht nur innerhalb der originären Fachgebietes Medizin, sondern zusätzlich Kenntnisse in Qualitätsmanagement, Betriebswirtschaft und statistische Verfahren. Erfahrung in Forschung und Lehre sowie Interesse an wissenschaftlicher Arbeit sind im Hinblick auf die künftige Bedeutung des Fachbereiches ebenso Voraussetzung wie eine Promotion. Eine Habilitation könnte das akademische Profil abrunden.

  3. Leiter Qualitätstechnik
  4. Der Sektor Qualitätstechnik dient als wissenschaftlicher Hintergrund in der Entwicklung und Prototypisierung von Qualitätssicherungsmaßnahmen. Dementsprechend sind Kenntnisse von Prüfmitteln, Statistik und Qualitätssystemen die wichtigste Voraussetzungen für den Stelleninhaber. Ideale Besetzung wäre ein Informatiker in der Fachrichtung Medizin.

  5. Leiter Qualitätsprüfung
  6. Die Realisierung und Überwachung der Prototypentwicklung von Qualitätsprogrammen, die Ausarbeitung von Anleitungen und Überwachung auf Veranlassung der Revision ist Kern dieses Aufgabengebietes. Auch hier wäre ein Informatiker mit dem Schwerpunkt Medizin wünschenswert.

  7. Leiter Qualitätsförderung
  8. Ihm untersteht die Schulung, Aus-, Fort- und Weiterbildung in Sachen Qualitätssicherheit für interne und externe Teilnehmer. Zusätzlich hat die Qualitätsförderung als Reflektor des Motivationsspiegels zu fungieren und gegebenenfalls motivationsfördernde Maßnahmen zu ergreifen. Der Stelleninhaber - originären Beruf z.B. Pfleger oder Arzt - sollte über Einfühlungsvermögen und didaktische Erfahrungen verfügen.

  9. Leiter Qualitätsrevision

Der Stelleninhaber sollte grundsätzlich naturwissenschaftlich ausgebildet sein und über praktische Kenntnisse der Qualitätssicherungsgrundlagen verfügen. Ihm obliegt die Überprüfung von Vor-Ort-Installationen, die Einweisung in und Auswertung von Audits. Der Qualitätsrevisor ist primär Ansprechpartner für die Bereiche Pflege und MTA/MTD.

1.5 Implementierung im Krankenhaus - das Münchener Modell

Einen modernen und ganzheitlichen Ansatz verfolgt das sogenannte Münchener Modell. Grundlage des seit 1989 in Erprobung befindlichen Qualitätssicherheitsmodelles bildet ein eindrucksvoll ausgearbeitetes Qualitätsmanagement-Konzept in Anlehnung an DIN ISO 9004, welches die folgende Abbildung zeigt:

Ziel der Bestrebungen ist die Implementierung von internen Qualitätssicherungsmaßnahmen in allen an der Qualität beteiligten Prozessen und in allen hierarchischen Stufen.

Erwähnenswert sind unter anderem eine Reorganisation der Hol- und Bringedienste. Ein strafferes Terminvergabe-Management zur Reduktion der Wartezeiten, Projekte zur Darstellung und Verbesserung von Mitarbeiter- und Patientenzufriedenheit, Verbesserungen im Bereich der Krankenhaushygiene und Arbeitszeit-Reorganisationsmodelle.

Bereits in einem ersten Resümee anläßlich des Münchener Qualitätssicherungsforums 1993 ließ sich belegen, daß sich das neue Qualitätsdenken kurz- bis mittelfristig günstig auf die Effizienz auswirkt und mithin einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Kostensenkung darstellt.

Die Managementorganisation im Münchener Modell sieht im Wesentlichen vier Elemente vor:

  1. Jedes Krankenhaus verfügt über eine Qualitätssicherheits-Kommission, welche in erster Linie gemeldete Probleme erörtert und priorisiert, Anregungen und Empfehlungen zur Einrichtung von Projektgruppen abgibt und deren Ergebnisse in Berichtform entgegennimmt. Die Qualiätssicherungs-Kommission verwaltet Finanzen und Ressourcen, sie dient im Übrigen als internes und externes Kommunikationsorgan. Die Auszeichnung von Erfolgen gehört ebenfalls zur Aufgabe der Kommission.
  2. Ärztliche, pflegerische und administrative Qualitätssicherungs-Beauftragte sind der Krankenhausleitung als Stabsstelle direkt unterstellt. Qualitätssicherungs-Beauftragte stimulieren und moderieren Diskussionen über Qualitätsprobleme vor Ort, die Ergebnisse gelangen als Vorschläge in die Qualitätssicherungs-Kommissionen.
  3. Eingerichtete Projektgruppen arbeiten vor Ort und in Eigenverantwortung, sie werden von Qualitätssicherungsbeauftragten und externen Beratern methodisch, von Dokumentarkräften technisch unterstützt.
  4. Eine zentrale Qualitätssicherungsgruppe fungiert als Koordinator von Qualitätssicherheitsaktivitäten und Qualitätssicherheitsressourcen. Aufgabe der Gruppe ist die Sicherung von Qualitätssicherheitsstandards und die Fortbildung vor Ort.

Das Münchener Modell verlangt von jedem Mitarbeiter eine kontinuierliche Mitarbeit an qualitätsrelevanten Problemen im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeitsausübung. Mitglieder von Projektgruppen verpflichten sich darüber hinaus, einen vollen Arbeitstag pro Woche für zielorientierte Tätigkeiten innerhalb der Projekte aufzuwenden.

Kontinuierliche Schulungen zur Qualitätssicherung und spezielle Fortbildungen wie Moderatortraining werden als flankierende Maßnahmen in allen Bereichen durchgeführt. Das trotz offensichtlicher Mehrarbeit eine offensichtliche Akzeptanz für Qualitätssicherungsmaßnahmen zu registrieren ist, kann unter anderem auch auf die gemischt-hierarchische Führung und Erfolgserlebnisse als Resonanz eigener Bemühungen in den vergangenen vier Jahren zurückgeführt werden.

Seitens der Bundesärztekammer wird das Münchener Modell als vielversprechender Lösungsversuch zur Problematik der Qualitätssicherung in der Gesundheitsversorgung angesehen.