Warum eigentlich eine venöse BGA?

Das Verhältnis von Sauerstoffangebot zu Sauerstoffbedarf wird von der gemischtvenösen SvO2 gut reflektiert.

CI-Abschätzung

Mit Hb, arterieller und venöser BGA kann die AVDO2 berechnet werden. Zwischen AVDO2 und CI besteht jedoch ein direkter Zusammenhang:

AVDO2

> 6

< 5

» 4

> 3

< 3

CI

< 2

< 3

» 3

> 4

> 5

Die Interpretation der HZV-Werte wird erleichtert:

Korrelat

PVO2 [mm Hg] SVO2 [%]

Exzessive Inotropiekazufuhr
septischer Schock
Links-Rechts-Shunt

> 42 > 79

Normalbereich

36 bis 42 71 bis 79

Laktatazidose

< 27 < 50

Auftreten von Bewußtlosigkeit

18 bis 20 30 bis 36

ZNS-Schädigung

< 15 £ 20

Jedoch: SvO2 und PvO2 sind schlechte Frühindikatoren für eine hypoxische Laktatazidose, wenn eine verringerte Sauerstoff-Extraktion vorliegt!

Die Abschätzung des kardiopulmonalen Status wird ermöglicht:

Kardiopulmonaler Status

PVO2 SVO2 AVDO2 *

Gesunde
unter Ruhebedingungen

40 (37 - 43)

75 (70 - 76)

5 (4,5 - 6,0)

Intensivpatient
kardiopulmonal stabiler Zustand

37 (35 - 40)

70 (68 - 75)

3,5 (2,5 - 4,5)

Intensivpatient;
instabil

32 (30 - 35)

60 (56 - 68)

5,0 (4,5 - 6,0)

Intensivpatient;
kritischer kardiopulmonaler Zustand

<30

<56

>6,0

Interpretation der Perfusion mittels der arteriell-venösen CO2-Differenz:

Ein ansteigender PaCO2-PvCO2-Gradient wird bei vielen Erkrankungen beobachtet:

Allen diesen Beobachtungen ist etwas gemeinsam: die reduzierte systemische Durchblutung. Daher wurde daraus geschlossen, der AVDCO2 wäre ein universell einsetzbarer, nichtspezifischer Marker für low flow states, und ein ansteigender AVDCO2ist Anzeichen für eine Hypoperfusion.

In der (nicht hyperdynamen) Sepsis zeigt die AVDCO2 die periphere Hyoxie an; bei Korrektur des CI ist sie jedoch bald wieder im Normbereich. So kann hier die AVDCO2 zur Therapiekontrolle herangezogen werden.

Da jedoch nicht auf das hypoxische Organ geschlossen werden kann, hat sich die ansteigende AVDCO2 als besserer Marker für den abfallenden CI bzw. HZV erwiesen.
AVDCO2 Interpretation
3,0 ± 0,5 Normbereich
8,0 ± 5,0 Sepsis
> 6 Hypoxämie
AVDCO2 > 6 CI < 3

Zentralvenöser und gemischtvenöser PCO2 besitzen dieselbe Aussagekraft. Daher kann dies zur Interpretation der Situation eines Patienten benutzt werden, bei dem vielleicht ein Risikofaktor für eine systemische Hypoperfusion vorliegt:

PvCO2 AVDCO2 Interpretation

normal

normal

alles o.k.

erniedrigt

normal

erniedrigtes HZV als Ursache für die Hypoxämie

 

erhöht

erniedrigtes HZV

(i.d.R.) erhöht

erniedrigt

hyperdyname Phase (z.B. bei Sepsis, Leberversagen)

Abschätzung des QS/QT:

Berechnung:

QS/QT := [0,0031 * AaDO2] / [0,0031 * AaDO2 + AVDO2]
wenn PaO2 < 150 mm Hg, dann gilt:
QS/QT = 1 / {1 + [(330 * AVDO2) / (PAO2 - PaO2)]} » AaDO2/20 (nach Hessel)

Abschätzung der globalen V/Q-Verhältnisse:

V/Q kann abgeschätzt werden durch die Gleichung:

8,63 * RQ * AVDO2/ PaCO2

Abschätzung der Totraumventilation:

VD: = AZV * [1 - {PaCO2 - 7 * [PVCO2 - PaCO2] * [1 - RQ] / RQ} /PaCO2];
abgeleitet nach der Bohr’schen Formel

Verbesserung der nutritiven Therapie:

1) Abschätzung des RQ

2) Ablesen des VCO2 bei der Evita IV

3) Berechnung des VO2:

4) Abschätzung des Ruhe-Energieumsatz (REE):

5) Anpassung des Ruheenergieumsatzes an den aktuellen Energiebedarf (AEE):

Trauma IF

operativer Wahleingriff bzw. unkomplizierte einfache Verletzung

1,00 - 1,05

postoperative Phase

1,05 - 1,10

Peritonitis, Pneumonie, Frakturen

1,05 - 1,25

Mehrfachfrakturen, Sepsis

1,15 - 1,30

Polytrauma, Peritonitis

1,30 - 1,55

schweres SHT

1,30 - 1,50

Polytrauma mit septisches Komplikationen

1,50 - 1,75

Verbrennungsverletzungen

 

10 %

1,25

20 %

1,50

30 %

1,70

40 %

1,85

50 %

2,00

75 %

2,00 - 2,10

Gilt dies auch für die zentralvenöse BGA?

Die aus den Werten jeweils kalkulierte venöse Zumischung zeigte eine Korrelation von 0,901 beim Vergleich gemischtvenöse versus zentralvenöse Sauerstoffsättigung. Daraus kann geschlossen werden, daß die zentral-venöse Sättigung dieselbe Aussagekraft besitzt wie die gemischtvenöse, jedoch natürlich unter denselben Einschränkungen, d.h.:

Literatur: