Für die Aminosäurenzufuhr ist unter anderem das Stickstoff-Kalorien-Verhältnis maßgebend: unter Normalbedingungen hat sich ein Verhältnis von 1 : 100 bis 1 : 130 als günstig erwiesen.
Bei hypokalorischer Ernährung (erhöhter N-Bedarf) kann dieser Wert auch unterschritten werden.
Die Aminosäurenzufuhr im klinischen Alltag beträgt:
|
0,5 bis 0,7 g/kg Körpergewicht/die |
bei Patienten mit gestörter Nieren- und Leberfunktion |
|
0,7 bis 1,0 g/kg Körpergewicht/die |
bei Patienten in guten Ernährungszustand und ohne katabolen Streß; kleinere chirurgische Eingriffe |
|
1,0 bis 1,5 g/kg Körpergewicht/die |
bei Patienten in schlechten Ernährungszustand und bei kataboler Stoffwechsellage; |
|
1,5 bis 2,5 g/kg Körpergewicht/die |
bei Patienten in schlechten Ernährungszustand und ausgeprägter Katabolie; |
Ein zu starker Anstieg der Plasmaaminosäuren führt zu einer Hyperosmolarität, die sich in einer osmolaren Lücke ausdrückt. Werden Aminosäuren nicht entsprechend verstoffwechselt, so kommt es als Überlaufphänomen zu Azidose und Aminoazidurien; die Azidose läßt sich oft als Anionen-Lücke nachweisen, daneben kann der hohe Chloridgehalt zur Hyperchlorämie führen.
Bei zu raschem Aufbau der Aminosäurenzufuhr kann es zu einem verstärkten Anstieg der Harnstoffproduktions-rate kommen, da die Aminosäuren nicht in die Zelle eingebaut werden können.
Bei zu rascher Aminosäurenzufuhr kommt es zu einem erhöhten Atemantrieb, der sich in einem erhöhten Atemminutenvolumen äußert.
Bei Hyperammoniämien, erhöhter ungeklärter Anionenlücke und hoher Harnstoffproduktionsrate, welche durch die Primärerkrankung alleine nicht erklärt werden können, ist die Aminosäurenzufuhr zu reduzieren, bzw. auf ein anderes Präparat mit spezifischer Aminosäurenzusammensetzuung umzustellen.
Die maximale Infusionsgeschwindigkeit für Aminosäuren sollte bei Erwachsenen 0,1 g/kg Körpergewicht/Stunde nicht überschreiten.
Zum Dokumentkopf
nächstes Kapitel
voriges Kapitel