Bausteinaminosäuren des Erwachsenen außerhalb spezieller Stoffwechselphasen:
|
essentielle Aminosäuren |
semi-essentielle Aminosäuren |
nicht essentielle Aminosäuren |
| Tryptophan | Arginin | Alanin |
| Threonin | Histidin | Prolin |
| Isoleucin |
|
Glutaminsäure |
| Valin |
|
Glycin |
| Leucin |
|
Asparaginsäure* |
| Lysin |
|
Serin ** |
| Phenylalanin |
|
Tyrosin * |
| Methionin |
|
Cystein * |
* bei Früh und Neugeborenen unentbehrlich
** im Postaggressionsstoffwechsel unentbehrlich
Bedarfsmuster essentieller Aminosäuren des Erwachsenen in der parenteralen Ernährung (nach Jürgens et al.):
|
Tryptophan |
Threonin |
Isoleucin |
Valin |
Leucin |
Lysin |
Phenylalanin |
Methionin |
|
0,35 [g/die] |
0,77 [g/die] |
1,19 [g/die] |
1,15 [g/die] |
1,69 [g/die] |
1,54 [g/die] |
1,69 [g/die] |
1,62 [g/die] |
Eine Zufuhr von 26 mmol% essentieller Aminosäuren an der Gesamt-Aminosäurenzufuhr ermöglichen die günstigsten N-Bilanzen.
Der Methioninbedarf sollte sich nach der Gesamt-Aminosäurenzufuhr richten und 3,2 mmol% der Gesamt-Aminosäurenzufuhr nicht unterschreiten, da sonst ungünstige N-Bilanzen resultieren können, die nur durch Zugabe von Methionin kompensiert werden können.
Arginin vermindert durch Einschleusung freiwerdender Aminogruppen in den Krebs-Henseleit-Zyklus die Toxidität von Einzelaminosäuren und deren Gemischen bedeutend. Eine Zufuhr von 12,5 mmol% Arginin der Gesamt-Aminosäurenzufuhr ergeben sich die besten Serum-Konzentrationen, eine Zufuhr von 5 bis 8 mmol% sollte auf keinen Fall unterschritten werden. Eine zu geringe oder zu hohe Argininzufuhr sollte immer von Ammoniakbestimmungen im Serum begleitet sein.
Histidin sollte bei allen künstlichen Ernährungen in Höhe von 0,39 bis 0,8 g pro zugeführtem Gramm Lysin appliziert werden.
Erst die Zulage von 13 mmol% L-Glutaminsäure zu einem bilanziertem Gemisch an essentiellen Aminosäuren werden N-Bilanzen im Bereich vergleichbarer enteraler Ernährung erzielt. Wird die Zufuhr von 2 µmol L-Glutaminsäure pro Kilogramm Körpergewicht und Minute überschritten, muß mit Intoxikationserscheinungen gerechnet werden.
Es sind Prolin- und Alaninzufuhren von 10 - 16 mmol% bzw. 13 - 20 mmol% der Gesamt-Aminosäurenzufuhr notwendig, um homöostatische Konzentrationen dieser Aminosäuren im Serum und parallel günstige Stickstoffbilanzen zu erzielen; andernfalls resultieren ungünstige N-Bilanzen.
Die nicht-essentiellen Aminosäuren stellen 54 bis 64 mmol% des körpereigenen Aminosäurenbestandes und der physiologischen Nährstoffproteine.
Bei den sogenannten Leberlösungen ist der Gehalt an aromatischen Aminosäuren vermindert, jener der verzweigtkettigen Aminosäuren erhöht. In einem Vergleich mit "normalen" Aminosäurenlösungen konnten die Leberlösungen jedoch nicht durch eine geringere Toxiditätsrate überzeugen.
Bei den klassischen Nierenlösungen handelt es sich um Gemische von essentiellen Aminosäuren mit den Mindestzufuhrraten ("safe intake") nach Rose, ergänzt durch Arginin und Histidin.
Beim chronische Nierenversagen wird die Minimierung der Stickstoffzufuhr angestrebt; beim akuten Nierenversagen steht eine in Hinblick auf Eiweißsynthese, Immunkompetenz und Wundheilung optimierte Substratzufuhr im Vordergrund, welche dem Organismus helfen soll, die Akuterkrankung zu beherrschen. Nierenlösungen jüngerer Generation - transferadaptierte bzw. peptidhaltige Gemische - scheinen eher eine Normalisierung der Plasma-Aminosäuren-Konzentrationen zu ermöglichen, zusätzlich wurde ein verbessertes Harnstoff/Kratinin-Verhältnis beobachtet.
Zum Dokumentkopf
nächstes Kapitel
voriges Kapitel