Diagnostik

Da das ARDS erst anderen Grundkrankheiten nachfolgt, gilt es zuerst diese zu erkennen und nach Möglichkeit frühzeitig zu therapieren, um so der Entstehung eines ARDS entgegenzuarbeiten.
Häufig ist im Rahmen des Routineprogramms einer Intensivstation schon das Grundschema zur Erkennung der Entstehung eines ARDS enthalten: die klinische Überwachung und Einschätzung eines Patienten ist in der frühen Initialphase die einzige Möglichkeit, das Entstehen eines ARDS zu erkennen und schon hier zu intervenieren.
Eine zu diesem Zeitpunkt eingeleitete adäquate Therapie kann bei diesen ARDS-gefährdeten Patienten die Entstehung des Vollbildes eines ARDS wirksam verhindern.
Das Thorax-Röntgenbild hat seinen festen Platz in der Intensivtherapie des ARDS. Es hilft in späteren Stadien, den Verlauf des ARDS zu protokollieren. Das radiologische Score System zur Quantifizierung des ARDS nach Pistolezi et al. kann hier bei der Klassifizierung helfen:

Radiologischer Befund

Punktzahl

eine Lungenseite

beidseitig

Dilation des RV mit Prominenz des Hauptstammes der A. pulm.

2 4

pathologische Hilusgefäße (Größe und Dichte)

1 2

Luftbronchogramm

2 4

vermehrte schleieratige Eintrübung ("hazy")

   

zentral

1 2

peripher

2 4

zentral und peripher

3 6

fleckförmige Verdichtung ("patchy"), Infiltrate

   

zentral

2 4

peripher

5 10

zentral und peripher

7 14

poumon blanche

  20

Auch die arterielle und zentral-/pulmonal-venöse Blutgasanalyse hat in der Intensivtherapie ihren festen Platz . Sie hilft nicht nur die späteren Stadien des ARDS zu klassifizieren; mit ihr wird die Beatmung zu optimieren.

Bei der Frühdiagnose des ARDS hat die Blutgasanalyse ihren angestammten Wert. Kriterien für ein Frühstadium des ARDS sind zum Beispiel:

Die zentral-venöse Blutgasanalyse ist ein wichtiges diagnostisches Instrument: nicht nur pulmonal-venöse, auch zentral-venöse Sättigung (SVO2), zentral-venöser Sauerstoff-Partialdruck (PVO2) und zentral-venöser Partialdruck des Kohlendioxids (PVCO2) geben meist schon früher als die arterielle Blutgasanalyse Hinweise auf ein beginnendes Lungenversagen.
In den späteren Phasen des ARDS gehören weitere bildgebende Verfahren wie etwa Sonograpfie und Computer-tomographie ebenso wie ein mikrobiologisches Monitorring (Rachensekret, Sputum, Trachelsekret, broncho-alveoläre Lavage, Blutkulturen, Katheter-Urin etc.) zur Diagnostik, um den Herd für die Entstehung des ARDS (z.B. Sepsis, Pneumonia diffusa) aufdecken zu können oder einer Verschlechterung entgegenwirken zu können.
Besonders die bronchoaleveoläre Lavage (BAL) hat sich als gutes Mittel zur ARDS-Diagnostik und zur Verlaufskontrolle erwiesen. Die BAL bei einem Patienten mit ARDS weist einige Besonderheiten auf:

in BAL erhöht in BAL erniedrigt
Neutrophile Granulozyten (PMN) Surfactant
Komplementfaktoren (C3a, C5a)  
Elastase  
Leukotriene  
Totalprotein  

Auch die Entzündungsparameter sind in der BAL deutlich erhöht (nach Suter et al. 1992):

Patient mit ↓ TNF α
(pg/ml)
IL-1<β
(pg/ml)
Elastase
(U/ml)
Protein
(g/l)

ARDS-Risiko

51 ± 23

4379 ± 800

0,28 ± 0,13

3,9 ± 0,7

Stadium 0/1

116 ± 36

7746 ± 5551

0,97 ± 0,28

4,6 ± 0,9

Stadium 2

376 ± 158

36445 ± 27196

0,90 ± 0,19

9,4 ± 3,1

Stadium 3

10731 ± ± 5048

42255 ± 19176

1,85 ± 0,39

7,1 ± 1,0

Stadium 4

178 ± 54

13688 ± 9047

0,57 ± 0,14

5,3 ± 0,5

Vergleicht man hierzu noch die Plasma-Werte der Entzündungsparameter, so fällt die Diagnose wie auch die Einteilung nicht schwer:

Patient mit ↓ TNF α
(pg/ml)
IL-1β
(pg/ml)

ARDS-Risiko

9 ± 3

153 ± 58

Stadium 0/1

26 ± 9

54 ± 36

Stadium 2

16 ± 6

8 ± 8

Stadium 3

28 ± 7

138 ± 134

Stadium 4

24 ± 5

20 ± 19

Petty erstellte diagnostische Kriterien für die Diagnose des ARDS:

    1. SaO2 < 90 % bei FIO2 > 0,5 (über Maske)
    2. PaO2 < 60 mm Hg bei FIO2 > 0,5
    3. PaO2/PAO2 < 0,2; PaO2/FIO2 < 300
    1. in der Frühphase interstitielle,
    2. später alveoläre Infiltrate

Welches Monitorring sollte jetzt bei einem Patienten mit ARDS im Idealfall angewendet werden ?

  1. tägliches Thorax-Röntgenbild, bei Bedarf öfter
  2. Atemmechanik
  3. transpulmonaler Gastransport
  4. AVDO2, O2-Extraktion, Serum-Laktat
  5. Manschettendruck und Tubuslage
  6. Drucke und Widerstände im Lungen- und Systemkreislauf, inklusive KOD-PCWP-Koeffizient
    (Normwert: 8 - 16 mm Hg; bei Werten < 3 mm Hg liegt mit Sicherheit ein Lungenödem auf Grund eines "capillary leak syndrome" vor)
  7. Shuntvolumen, Totraumbestimmung, funktionelle Residualkapazität
  8. Beatmungsparameter
  9. Pulsoxymeter, Kapnograph
  10. Nierenfunktion, Cholastaseparameter, Eisen und Eisennbindungskapazität
  11. exakte Bilanzierung
  12. Immunstatus, Bakteriologie, Antibiogramm

nach oben Zum Dokumentkopf
weiter nächstes Kapitel
Zurück voriges Kapitel